Rabatte, Rabatte, Rabatte: die Gesundheitsreform 2007
Donnerstag, 12. April 2007
Seit 12 Tagen arbeiten deutsche Ärzte und Apotheker nun mit der derzeitigen “Reform” des Gesundheitswesens. Eine der größeren Änderungen, die an der Öffentlichkeit (den Patienten) weitestgehend unbemerkt vorbeigegangen ist, ist die Ermöglichung von Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und pharmazeutischer Industrie. Vom Gedanken eine tolle Sache, in der Praxis riesiger Bockmist.
Da wäre zunächst die AOK zu nennen, die das Chaos an die Spitze getrieben hat: je nach Wirkstoff stehen zwischen 1-3 Rabattpartner zur Auswahl. Wenn der Arzt nicht gleich einen Rabattpartner verordnet, weil er das honoriert bekommt, und kein Kreuz im “aut-idem”-Feld des Rezeptes setzt, ist die Apotheke gezwungen das verordnete Arzneimittel durch ein rabattiertes zu ersetzen. Um das mal an einem Fall in der Praxis zu verdeutlichen: verordnet waren
- Felodipin ratiopharm
- Amlobeta (Amlodipin)
- Bisohexal (Bisoprolol)
Bei Felodipin und Bisoprolol griffen die Rabattverträge und der Kunde hat “Felodipin Teva” und “Biso Puren” erhalten. “Die sehen aber nicht so aus wie immer” ist noch das harmloseste, was man zu hören bekommt. Aber wenn man dann der schwerhörigen 85-jährigen Dame erklären darf was wie wo und warum (und das ja nicht nur 1x am Tag), geht einem das gehörig auf den Zeiger.
Und um das Ganze noch lustiger zu machen sind in den letzten Tagen die rabattierten Arzneimittel erst mal gar nicht lieferbar gewesen. Tolle Sache, selbst wenn 3 Partner zur Auswahl stehen war kein Medikament zu bekommen. Also: Begründung aufs Rezept schreiben, ein passendes und günstiges Mittel auswählen und dann das bestellen. Wenn es gut geht war der Kunde noch nicht da um sein Medikament abzuholen.
Nach einem Anruf bei den Rabattpartnern hieß es dann “Wir sind lieferfähig”. Der Großhandel sagte leider nur “Wir haben noch keine Ware, aber wir haben bestellt”. Schöne neue Kassenwelt.
Was passiert nun, wenn der Arzt wieder wie oben verordnet und nicht klar ist welches Mittel der Patient denn letztes Mal erhalten hat? Richtig: er bekommt wenn es dumm läuft wieder eine andere Firma, die Pillen sehen wieder anders aus und ob die Wirksamkeit -trotz zugegebenermaßen gleicher Bioäquivalenz- tatsächlich die gleiche ist, steht in den Sternen. Hier wird zu Lasten der Patienten Roulette gespielt, nur um ein paar Euro zu sparen - die im schlimmsten Fall nach einem Krankenhausaufenthalt wegen falscher Medikation wieder weggeschmolzen sind.
Ach ja: andere Kassen haben auch schon Verträge abgeschlossen, allerdings dann gleich über das Gesamtsortiment und nicht pro Wirkstoff. Das macht das Leben etwas einfacher. Außerdem sind es etwas bekanntere und damit auch lieferfähige Firmen, was einem das Leben wenigstens etwas einfacher macht.
Fazit: eine Menge Aufwand für Apotheken und Ärzte, Verunsicherungen bei den Patienten und nur geringe Einsparungen auf Seiten der Krankenkassen. Was die nämlich genau ausgehandelt haben ist streng geheim und wer weiß auf welches Konto diese Gelder fließen...
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